Der Beitrag von Nano, der sich mit dem Zusammenhang von Mediennutzung und Schulleistungen beschäftigt, demonstriert zwei Dinge:
1. Eine präskriptiv-kulturpessimistische Perspektive: Der gesellschaftliche Diskurs über Medien und ihre Nutzung – insbesondere von Jugendlichen – ist geprägt von konservativen Werturteilen. Diese Werturteile spiegeln sich nicht nur in dem (massenmedial aufbereiteten) Beitrag, sondern selbst in den dargestellten Forschungshypothesen wider. Man kann die vorherrschende Meinung aber nicht nur unter der allgemeinen Formel Mediennutzung ist schlecht summieren, sondern auch eine weitere Verengung feststellen:
2. Die Verkürzung der Untersuchung von Mediennutzung in Hinblick auf Gewaltdarstellungen. Obwohl die Dauer der Mediennutzung in dem Beitrag durchaus apostrophiert wird, wird die Betrachtung sehr stark auf gewalttätige Inhalte beschränkt. Die Hypothese des dargestellten Forschungsteams lautet in etwa: Konsum von Gewaltdarstellungen in den Medien (Horrorvideos oder -spiele) verschlechtern (Lern-) Leistungen. Gerade eine solche Mediennutzung wird – obwohl wie hier gezeigt keine wissenschaftlich fundierten Belege dafür erbracht werden konnten – im gesellschaftlichen Diskurs überbetont und verdrängt das Bewusstsein für sämtliche andere Arten der Mediennutzung, z.B. die lernunterstützende Nutzung, wie sie im IKT-Kurs demonstriert und erarbeitet und an Schulen bereits angewendet wird.
Und es gibt noch eine weitere Dimension: Denn wer bezweifelt die Sinnhaftigkeit von Tafel oder Büchern im Unterricht? Auch dies sind Medien. Natürlich funktionieren sie anders als die Neuen Medien. Aber auch Bücher wurden, als sie als Neuerung den Markt eroberten, als Gefahr betrachtet, und die Gesellschaft wurde mit Befürchtungen des Kulturverfalls konfrontiert. (Nicht nur in der literatur- und medienwissenschaftlichen Forschung, sondern auch in vielen Romanen – z.B. Wielands Don Sylvio von Rosalva oder Goethes Werther, die Gefahren, die von Büchern und vom Lesen ausgehen können, paradoxerweise im Medium des Buches umschreiben – wird dies thematisiert.)
Aufgrund dieses Wissens und der in der Schule gängigen Praktiken[1] sollte also ein Paradigmenwechsel bzw. die Erweiterung der gesellschaftlichen Perspektive und Diskussion erfolgen, denn die gesellschaftliche Praxis ist eine andere als die – ebenfalls medial geführte – gesellschaftliche (Problem-) Diskussion. Wie wäre also einmal die Idee, einen Beitrag über die positiven Seiten der Mediennutzung von Jugendlichen, im Speziellen in der Schule, im öffentlich rechtlichen Fernsehen zu senden und damit eine neue Perspektive für die gesellschaftliche Diskussion zu erschließen?! Aber so ein Beitrag muss vielleicht erst von (meinen) Schülern im (Deutsch-) Unterricht gestaltet werden…
[1] Vgl. Abraham, Ulf et al.: Praxis des Deutschunterrichts. Arbeitsfelder, Tätigkeiten, Methoden. Mit Beiträgen zum Schriftspracherwerb von Andreas Hartinger. Donauwörth 2007. S. 93-102.