annIKT-blog

Woche 42: Zunächst ein Video

October 22, 2007 · 1 Comment

Der Beitrag von Nano, der sich mit dem Zusammenhang von Mediennutzung und Schulleistungen beschäftigt, demonstriert zwei Dinge:

1. Eine präskriptiv-kulturpessimistische Perspektive: Der gesellschaftliche Diskurs über Medien und ihre Nutzung – insbesondere von Jugendlichen – ist geprägt von konservativen Werturteilen. Diese Werturteile spiegeln sich nicht nur in dem (massenmedial aufbereiteten) Beitrag, sondern selbst in den dargestellten Forschungshypothesen wider. Man kann die vorherrschende Meinung aber nicht nur unter der allgemeinen Formel Mediennutzung ist schlecht summieren, sondern auch eine weitere Verengung feststellen:

2. Die Verkürzung der Untersuchung von Mediennutzung in Hinblick auf Gewaltdarstellungen. Obwohl die Dauer der Mediennutzung in dem Beitrag durchaus apostrophiert wird, wird die Betrachtung sehr stark auf gewalttätige Inhalte beschränkt. Die Hypothese des dargestellten Forschungsteams lautet in etwa: Konsum von Gewaltdarstellungen in den Medien (Horrorvideos oder -spiele) verschlechtern (Lern-) Leistungen. Gerade eine solche Mediennutzung wird – obwohl wie hier gezeigt keine wissenschaftlich fundierten Belege dafür erbracht werden konnten – im gesellschaftlichen Diskurs überbetont und verdrängt das Bewusstsein für sämtliche andere Arten der Mediennutzung, z.B. die lernunterstützende Nutzung, wie sie im IKT-Kurs demonstriert und erarbeitet und an Schulen bereits angewendet wird.

Und es gibt noch eine weitere Dimension: Denn wer bezweifelt die Sinnhaftigkeit von Tafel oder Büchern im Unterricht? Auch dies sind Medien. Natürlich funktionieren sie anders als die Neuen Medien. Aber auch Bücher wurden, als sie als Neuerung den Markt eroberten, als Gefahr betrachtet, und die Gesellschaft wurde mit Befürchtungen des Kulturverfalls konfrontiert. (Nicht nur in der literatur- und medienwissenschaftlichen Forschung, sondern auch in vielen Romanen – z.B. Wielands Don Sylvio von Rosalva oder Goethes Werther, die Gefahren, die von Büchern und vom Lesen ausgehen können, paradoxerweise im Medium des Buches umschreiben – wird dies thematisiert.)

Aufgrund dieses Wissens und der in der Schule gängigen Praktiken[1] sollte also ein Paradigmenwechsel bzw. die Erweiterung der gesellschaftlichen Perspektive und Diskussion erfolgen, denn die gesellschaftliche Praxis ist eine andere als die – ebenfalls medial geführte – gesellschaftliche (Problem-) Diskussion. Wie wäre also einmal die Idee, einen Beitrag über die positiven Seiten der Mediennutzung von Jugendlichen, im Speziellen in der Schule, im öffentlich rechtlichen Fernsehen zu senden und damit eine neue Perspektive für die gesellschaftliche Diskussion zu erschließen?! Aber so ein Beitrag muss vielleicht erst von (meinen) Schülern im (Deutsch-) Unterricht gestaltet werden…


[1] Vgl. Abraham, Ulf et al.: Praxis des Deutschunterrichts. Arbeitsfelder, Tätigkeiten, Methoden. Mit Beiträgen zum Schriftspracherwerb von Andreas Hartinger. Donauwörth 2007. S. 93-102.

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Woche 41 II: rebell.tv

October 12, 2007 · 2 Comments

Nach dem ‚Bergfest‘ der BUA-Woche nun der vierte Tag des Kurses: Groß angekündigt war der Macher von rebell.tv, Stefan Seydel. Ein ‚Mann der ersten Stunde‘, der seit einigen Jahren ein Blog und (später) parallel ein Video-Blog führt. Die Beiträge auf der Homepage machen neugierig, denn seine Videopodcasts beschäftigen sich mit Kultur, Wissenschaft, Ökonomie und Politik – anders als die Massenmedien es tun. Hier liegen eindeutig die Vorteile des Web 2.0: alternative Perspektiven zu ermöglichen. Und man erwartet – nach Themen und Titel – einen subversiven Rebellen, der eine (medien-) kritische Botschaft verbreiten will.

Werden diese Erwartungen erfüllt? – Vielleicht in der Hinsicht, dass die Erwartungen nicht erfüllt werden… Das Rebellentum ist für die Nichterfüllung von Erwartungen prädestiniert, ‚subversiv‘ ist die Oberflächlichkeit der Perspektive und des Anspruchs.

Jürgen kommentiert den Auftritt des ‚Vloggers‘ pointiert-sarkastisch. Als Kontrapunkt folgt nun mein Eindruck in analytisch-interpretativer Form. Als ‚Vlogger‘ passt der Rebell in die Kultur der Postmoderne,[1] die er anscheinend selbst kommentieren, kritisieren und ironisieren möchte. Dennoch ist er offensichtlich Teil dieser Kultur. Denn wenn Stephan Seydel etwas repräsentiert – und die Repräsentation wird in der kulturellen Debatte durchaus kritisch betrachtet –,[2] dann sich selbst, und das bedeutet: (Re-) Präsentation absoluter Selbstreferentialität. Daran anschließend könnte man formulieren, dass er zugleich Kunstwerk (Performance) und Konzeptkünstler ist.[3] Man könnte ihn aus einer solchen Perspektive als Mischung von Sigmar Polkes sensationellen [wirklich!] Haus vom Nikolaus (1992) (das leider im ganzen Netz nicht als Bild aufzutreiben ist und deshalb nachgereicht wird) und dem Künstlerpaar Gilbert & George verstehen. Zumindest passt Stephan Seydel unter solchen Gesichtspunkten in die etablierte (gehobene, aber vielleicht bereits überkommene) Kunstszene. Und das ist alles andere als rebellisch. —

Aber ich habe noch ein anderes Erwartungsstichwort aufgeworfen: medienkritische Haltung.

1. Diese betrifft zunächst die Glaubwürdigkeit der Medien bzw. die Leichtgläubigkeit der Rezipienten. In der Diskussion dominierte meines Erachtens die Auffassung, dass dem Blog, sei es Video oder auf Schrift basierend, eine Authetizität zugesprochen wird, die im Gegensatz dazu den Angeboten ‚traditioneller, etablierter Medien‘ abgesprochen wird. Die Erkenntnis, dass jegliches medial transportierte Angebot in seiner Authentizität problematisch ist, hätte stärker zur Sprache kommen müssen. Denn nicht nur die explizite Echtheit (jeder kann sich als jemand ausgeben, z.B. vorgeben, aus einer Krisenregion zu berichten, ohne tatsächlich dort zu sein, und so eine ‚lediglich fiktive‘ Perspektive entwerfen), sondern auch implizite Prämissen stehen zur Disposition. Darunter fällt die ‚ideologische‘ Gefärbtheit: Jede Medialität enthält eine Perspektivität und ist somit ‚anfällig‘ für Ideologien (im weiteren Sinne). Und dies muss sowohl in Bezug auf die ‚Blogosphäre‘ als auch in Hinblick auf ‚traditionelle Medien‘ bewusst bleiben. (Weiterführend mag sich die Lektüre des Denksprit-Blogs lohnen.)

2. Verschiedene wissenschaftlich-kritische Begriffe tauchen häufiger bei rebell.tv auf. Das geschieht aber anscheinend nach dem Prinzip, die Inhalte, die hinter diesen Begriffen stecken, zu löschen. Es fehlt, so ist der Eindruck, an geistiger Hyperverlinkung. Die „Cultural Studies“ eignen sich, um die Problematik aufzuzeigen, denn sie werden explizit von rebel.tv aufgegriffen („culturalstudies“). Diese Forschungsperspektive widmet sich seit den 1960-er Jahren vor allem der Untersuchung der Gesellschaft zwischen Hoch- und Populärkultur (das Phänomen ‚Internet‘ gehört dazu) in einem Koordinatensystem von Ideologie, Macht, Wissen und Medien. Sie birgt deshalb durchaus medienreflexives und -kritisches Potential. Dennoch ist diese wissenschaftliche Richtung zu einer Institution geworden und damit von der ‚low culture‘ ‚subvertierbar‘. Die Themen, Inhalte oder Methoden dieser Forschungsperspektive könnten also parodiert oder karikiert werden. Durch die Löschung der Inhalte und die Ersetzung durch einen unspezifischen Kulturbegriff bei rebell.tv geschieht aber nichts dergleichen. Es wird lediglich eine Worthülse produziert. Mein Eindruck ist, dass pures Topic-/Name-Dropping angestrebt wird, um eine Oberfläche zu produzieren, ohne den ‚Aufstand zu proben‘.

Fazit: Ein Blog zur Freude, Begeisterung oder Belustigung des Produzenten oder Rezipienten sieht anders aus als ein Blog zum Wissenserwerb, zur Dokumentation des Lernprozesses oder wissenschaftlichen Erarbeitung von Themen. ‚Wie soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage?!‘ – Dies sollte bei der hier angestrebten Art des Bloggens anders sein. Deshalb stehen mein Anspruch und mein Stil fest: Ich möchte eine Textur weben, die meine Vernetzungen, Ergebnisse und Fragen erkennen lässt. Es sollen nicht einzelne Fragmente zusammenhanglos nebeneinander existieren – diese gibt es im Alltag genügend. Deshalb werde ich Texturen produzieren, die die intendierte Brechung vermeiden, denn Brüche des Verstehens finden sich auch ohne Intention ein. So erscheint es mir als größere Kunst, einen reflektorischen Zusammenhang zu schaffen statt eines reflektorischen (Stein-) Bruchs (vielleicht ist das auch eine Contadictio in adjecto?). ‚Gedankensplittern‘ mit wachsender Begeisterung werde ich privat. Vermeiden möchte ich aber auch das ‚dröge‘ Wiederkäuen von gelernten Inhalten; es soll einen Blog-Mehrwert geben.


[1] Eine grundlegende Untersuchung der postmodernen Kultur bietet Lyotard (vgl. Lyotard, Jean-François: Das postmoderne Wissen. Ein Bericht. Wien 1999. Für die folgenden Ausführungen besonders S. 181.).

[2] Vgl. Foucault, Michel: Die Ordnung der Dinge. Frankfurt am Main 2002.

[3] Vgl. Meinhardt, Johannes: Ende der Malerei und Malerei nach dem Ende der Malerei. Ostfildern 1997.

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Woche 41: IKT kompakt im BUA-Kurs

October 9, 2007 · Leave a Comment

Die Personalisierung der Web-Angebote durch iGoogle & del.icio.us ist ganz praktisch, weil sie einem wirklich bei der Selektion der unübersichtlichen Angebote helfen. Und das hilft natürlich bei der Vorbereitung von Unterrichtssequenzen. Denn warum nicht auf den verschiedenen Plattformen suchen, was andere Lehrer schon mal – möglicherweise – erfolgreich verwendet haben?! Aber dennoch stand bisher die Frage im geistigen Raum: Was kann ich damit konkret im Unterricht machen? – Wenn die Schüler ihr eigenes LearningEnvironment haben, kann das sicherlich vieles erleichtern, vor allem, wenn sie nicht immer anwesend sind oder der Unterricht nur einmal in der Woche statt findet, etwa in der Berufsschule. Trotzdem: Erhofft hatte ich mir vom hochfliegenden Titel „Informations- und Kommunikationstechnologie“ etwas anderes, auch wenn ich das selbst kaum wusste – und diesem Anderen nähern wir uns langsam an.

Endlich werden Techniken aus dem ‚Hut gezaubert‘, die ich im Unterricht konkret einsetzen kann: Podcasts, Videos, netzbasierte Bildbearbeitung, Herstellung von Lernmaterialen… Das wirklich Tolle daran ist, dass die Inhalte variabel sind: Vielleicht kann man gerade mit der Anwendung neuer Techniken auf ‚langweilige‘ Inhalte die Schüler gewinnen! Frei nach dem Motto: Durch neue Technologien weniger Präsentes (zeitlich oder geistig Entferntes) in den Unterricht integrieren. Auf dieser Baustelle lässt sich fleißig bauen, denn was bietet die deutschsprachige Literaturgeschichte nicht alles, das eher abseitig, lebensfern oder langweilig wirkt?!

Die erste Idee war, eine kleine Online-Rallye zum Thema Mittelalter zu kreieren, denn immerhin ist die Sprache und die Literatur des Mittelalters ziemlich fern für die jugendlichen Gemüter. Und vielleicht kann ich die Rallye im Praktikum an echten Neuntklässlern ausprobieren! Meine Fachdidaktikerin war dann außerdem Feuer und Flamme beim Thema Bildbearbeitung. Unsere Idee: Eine Fotostory zu einem Akt der Miss Sara Sampson (oder einem anderen Drama der Aufklärung). — Es passiert etwas – und es hat Potential!

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Woche 40 II: Abwarten…

October 7, 2007 · 1 Comment

Und Tee trinken hätte geholfen: Jetzt, nach weiteren Stunden im Netz, wird natürlich wieder klarer, warum iGoogle und del.icio.us nebeneinander herliefen. Also, das nächste Mal mehr Geduld. Und jetzt kommt nach der Netz-Vernetzung sicher auch eine ganz schnelle Vernetzung im Gehirn. Vor allem weil eine dichte Woche ansteht: 100% IKT. Währenddessen ist alles neu und danach alles klar… Hoffentlich.

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Erste Schritte

October 3, 2007 · 1 Comment

Schön, wenn sich so ein Blog – parallel zum BP-Blog – schnell erstellen lässt. Aber trotzdem sind die ersten Schritte manchmal härter als das Danach: einfach laufen können. Und genau das ist für mich in IKT jedes Mal wieder zu spüren. Denn jedes Mal sind wieder erste Schritte zu üben: Kaum habe ich begriffen, wie I-Google funktioniert & dass das eine ganz nützliche Einrichtung ist, schon geht´s weiter mit del.icio.us, was sich schließlich auch als brauchbar, nach verschiedenen taggings sogar als ganz toll erweist. So konnte ich mir schon einiges zur Fachdidaktik verlinken und bin bestimmt auch immer auf dem neusten Stand der Welt-Nachrichtenlage. I-Google wird damit aber für mich zweitrangig. Denn warum soll ich meine bookmarks doppelt und dreifach ablegen? Die Gefahr wäre lediglich, sich total zu verzetteln.

Das scheint mir (m)ein allgemeines Problem mit Computer gestützten oder Internet basierten Lernenvironments. Ich verzettele mich immer wieder, muss ständig wieder ordnen – und das nicht nur in meinem Kopf, sondern auch vor meinen Augen. Der soziale Aspekt, der bei del.icio.us dabei ist, macht es für mich nicht leichter – auch wenn das mit Sicherheit eine spannende Funktion ist. Denn ich muss die Fremdlinks durchforsten, schauen, ob für meine Bedürfnisse etwas Passendes dabei ist – und schon bin ich wieder am Sortieren. Und immer wieder die Ahnung oder Befürchtung, sich zu verzetteln. Beim Papierverzetteln konnte man wenigstens alles entweder versuchsweise geordnet nebeneinanderlegen oder auf einen Stapel schmeißen. Jetzt sehe ich verschiedene Environments vor mir und muss auf jedem einzelnen neue Ordnungen schaffen – nichts mehr mit einfach zusammenräumen… Ja, die vernetzte Welt ist noch nicht ganz unter Kontrolle. Es bleibt zu hoffen, dass das an den ersten Schritten liegt und das Laufen dann ganz einfach funktioniert!

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Hello world!

October 3, 2007 · 1 Comment

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